Volkswirtschaftlicher Nutzen

Volkswirtschaftlicher Nutzen

In weniger als zwei Stunden auf der Westküstenroute von Hamburg nach Niebüll, zweieinhalb Stunden bis Esbjerg – das wäre nicht nur eine Stunde schneller als heute, sondern ein echter Schub für die Wirtschaft und das Zusammenwachsen der deutsch-dänischen Nordseeregion. Mit einer verbesserten Verkehrsinfrastruktur zwischen Heide und Esbjerg könnten über 4000 neue Arbeitsplätze entstehen. Das ergab ein Gutachten im Auftrag der Wirtschaftsförderung Nordfriesland und ihrer Projektpartner beiderseits der Grenze.

Die Studie des Consulting-Unternehmens Rambøll Management zeigt, dass die Region ihre Stärken im Tourismus, der Energie- und Offshorebranche sowie der Lebensmittelbranche besser nutzen kann, wenn die Bundesstraße 5 auf deutscher und die Rute 11/ 24 auf dänischer Seite mindestens kreuzungsfrei, besser noch vierspurig ausgebaut wird. Das europaweit tätige Planungsbüro analysierte mit volkswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Rechnungen drei Ausbau-Varianten der Strecke zwischen Heide und Esbjerg: zweispurig und kreuzungsfrei, dreispurig mit wechselnden Überholmöglichkeiten oder vierspurig als Kraftfahrstraße. Dabei wurden sowohl die gesamte Strecke als auch wichtige Teilstrecken für sich betrachtet.

Demnach sind alle drei Alternativen volkswirtschaftlich rentabel, das heißt, die zu erwartende Wertschöpfung übersteigt die Investitionskosten bei weitem. Das höchste Wirtschaftswachstum von 2,6 Prozent kann jedoch nur mit einem vierspurigen Ausbau über die gesamte Strecke erreicht werden. Touristen, Pendler und die Transportlogistik der Industrie, unter anderem der wachsenden Offshore-Windkraft-Branche, könnten den direkten Weg über die Westküstenroute nehmen und würden nicht mehr über die Autobahn A7/ E45 ausweichen. Dadurch würden nicht nur Zeit und Fahrtkilometer, sondern auch Kohlendioxid-Emissionen eingespart. Die Gutachter errechneten für den autobahnähnlichen Ausbau eine jährliche Zeitersparnis von 4 Millionen Stunden bei Pkw und 400.000 Stunden bei Lkw im Vergleich zu einer Million bzw. 70.000 Stunden Zeitersparnis bei der zweispurigen Ausbau-Variante. Von der kürzeren Reisezeit würde vor allem die Tourismusbranche profitieren. Auf deutscher Seite arbeiten 18 Prozent, in Dänemark 15 Prozent der Erwerbstätigen im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Ein vierspuriger Ausbau der Westküstenroute könnte nach Ansicht der Gutachter 4.124 neue Arbeitsplätze in der deutsch-dänischen Westküstenregion schaffen, gegenüber 1.759 Arbeitsplätzen bei einem rein zweispurigen Ausbau. Der geschätzte regionale Einkommenseffekt läge bei 1,7 Millarden Euro im Vergleich zu 708 Millionen Euro. Eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur würde den stagnierenden Einwohnerzahlen und dem Fachkräftemangel der Region entgegenwirken, denn die Westküste wäre als Wohnort und als Arbeitsplatz für Pendler attraktiver. Zusammen mit einer zusätzlichen Elbquerung würden die Wirtschaftsräume der Nordseeküste von Rotterdam bis Esbjerg optimal vernetzt.